Die Gans im Gegenteil

Haas, Wolf, 2010
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Medienart Buch
ISBN 978-3-455-40286-5
Beteiligte Personen Präauer, Teresa [Ill.] Wikipedia
Systematik JD - Bilderbuch
Schlagworte Bilderbuch, Bilderbuch
Verlag Hoffmann und Campe
Ort Hamburg
Jahr 2010
Umfang ca. 40 S.
Altersbeschränkung keine
Sprache deutsch
Verfasserangabe Wolf Haas. Ill. von Teresa Präauer
Illustrationsang überw. Ill.
Annotation Quelle: 1000 und 1 Buch (http://www.1001buch.at/);
Autor: Nico Kalteis;
Annotation: Wolf Haas greift nicht nur auf die Fabeltradition von La Fontaine, sondern auch auf die typisch österreichische Literaturtradition des Sprachspiels zurück.

Rezension: Nicht "Fuchs, du hast die Gans gestohlen" heißt das Motto von Wolf Haas' erstem Bilderbuch, sondern ganz im Gegenteil: Gans, du hast dem Fuchs geholfen. Und wer glaubt, dass dieser Plot nichts hergibt, irrt.
Der Gans im Dauerrettungseinsatz kommt zu Ohren, dass der Fuchs seit neuestem unter einer "Schämfrisur" leidet, weil er zu schnell gelaufen und sein Haar deshalb in die falsche Richtung gewachsen ist. Schnell wird sie beim Fuchs vorstellig und schnattert begeistert: "Ich kann's! Ich bin die Gans! Ich mach es wieder heil. Ich bin die Gans im Gegenteil!" Nach einem anfänglichen Fehlversuch - Rückwärtslaufen brachte keinen Erfolg - gelingt es der Gans mit einem Trick den Urzustand des Fuchsfells wiederherzustellen. Den persönlichen Dank des Fuchses lehnt die Gans beherzt ab, leckt dieser sich doch bereits das Maul. ""Du bist geheilt", sagt sie ohne Hast, doch sie beeilt sich auf den nächsten Ast. "Ich seh dich gerne, am liebsten aus der Ferne."" Und flattert zum nächsten Einsatz.
Haas' Text kann durchaus als postmoderne Fabel gelesen werden oder - er kann's nicht lassen - als Kurzkrimi. Er spielt dabei, in guter österreichischer Literaturtradition, nicht nur gekonnt mit der Sprache, die er in komischen, augenzwinkernden Reimen gestaltet, sondern mit dem Fabelgenre selbst. Die Fabel war eine beliebte Literaturgattung der Aufklärung, deren besonderer Wert nicht in der poetischen Qualität begründet lag, sondern in ihrem moralischen Gehalt. Sprachlich stellt sich Haas nicht in die deutsche Tradition der schmucklosen Prosa-Fabeln von Lessing, sondern orientiert sich an den gereimten Fabeln des Jean de La Fontaine.
Haas' Text allein wäre nur der halbe Lesegenuss ohne die Bilder von Teresa Präauer. Sie verdichtet Sprache in ihren akribisch ausgeführten Illustrationen in Mischtechnik und gewinnt dem Text damit neue Facetten ab. Und die Moral von der Geschicht': Fuchs bleibt Fuchs und Gans das Gegenteil.

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Quelle: STUBE (http://www.stube.at/);
Das erste Bilderbuch des österreichischen Erfolgsautors Wolf Haas nimmt seinen Ausgang in einer frisurtechnischen Indisposition: Dieser Fuchs lief zu schnell. / Darum wuchs sein Fell / in die falsche Richtung. Indignierter Blick und mit heftigen Buntstiftringeln vorgetragene Verlockungen geben Zeugnis davon. Bildanordnungen geraten ins Wanken und animalisches Zetern hebt an; das wiederum kommt der Gans zu Ohren, die prompt reagiert: Ich kann's! / Ich bin die Gans! / Ich mach es wieder heil. / Ich bin die Gans im Gegenteil. Zwar zeigt die angewandte Radikalkur, dass ihre Stärken weder im Singen noch im Föhnen liegen; doch wenn sie schnattert und zum Rettungseinsatz flattert darf man auf Erfolg hoffen. Mit großer Lust, Sprache auf den Punkt zu bringen, zelebriert Wolf Haas klug, witzig und mit Mut zum Reim die Freude am Sinnentleerten.
*STUBE*

Der Frage nach der modischen Gewandung von Bilderbuchfiguren gehört seit langem zu einem Lieblingsthema der STUBE. Mit seinem Erstlingsbilderbuch "Fridolin Franse frisiert" hat Michael Roher im Frühjahr das Interessensfeld erweitert und den Bereich der modischen Haartracht mit eingebracht, für den bereits Nadia Budde in "Eins Zwei Drei Tier" die Grundlagen gelegt hat: "Glatt Lockig Kraus Maus" hieß es dort in den minimalistischen (und preisgekrönten) Reimen. Auch der österreichische Erfolgsautor Wolf Haas hat sich dem Reimschema nicht verwehrt, wenn er den Fuchs mit Entsetzen eine frisurtechnische Indisposition feststellen lässt: "Dieser Fuchs lief zu schnell. / Darum wuchs sein Fell / in die falsche Richtung." Indignierter Blick und mit heftigen Buntstiftringeln vorgetragene Verlockungen geben Zeugnis davon, als der Fuchs sich im Teich spiegelt. Sein Vollkommenheitsdrang ist in Unordnung geraten und schon folgen ihm die Bildanordnungen: Die klar begrenzten Bilder verrutschen innerhalb der Doppelseiten, scheinen auf dem Kopf zu stehen, wenn der Fuchs verzweifelt zetert: "Wie unsympathisch! Diese Schämfrisur / macht automatisch / eine Problemfigur!" Doch als er schon sein wehleidig-männliches "Ich bin verloren!" in die Welt schreit, kommt das der Gans zu Ohren, die im Schnatterton ihre Hilfe anbietet: "Ich kann's! / Ich bin die Gans! / Ich mach es wieder heil. / Ich bin die Gans im Gegenteil." Ein simpler Umkehrschluss jedoch führt hier nicht zum Ziel. Das Wechseln der Windrichtung ("Er rennt los / arschvoran / und virtuos / so schnell er kann.") bringt nicht den erhofften Erfolg. Erst die Radikalkur des Wellenkamms (der in anderer Variante des Wortspiels auch bei Michael Roher zum Einsatz kam) zeigt, dass die Gans weder singen noch föhnen kann; doch wenn sie schnattert und "zum Rettungseinsatz flattert" darf man auf Erfolg hoffen. Außer natürlich, auch ihre Flugbahnen geraten durch Bilddrehungen außer Kontrolle Wolf Haas hat bereits als Werbetexter seine Lust daran unter Beweis gestellt, die Sprache auf den Punkt zu bringen. Und auch in den Brenner-Texten war ihm ein spezifisch österreichischer Versuch, die Sprache auf Klang und Wortbedeutungen hin zu befragen, eigen mit dem er nun im kinderliterarischen Bereich die Tradition des Sprachspiels fortsetzt und die Freude am Sinnentleerten auf ebenso kluge wie witzige Weise zelebriert. Als Illustratorin gewinnt er die Salzburger Künstlerin Teresa Päauer, die ebenfalls neu im Bilderbuchbereich zeigt, dass die wilden Linien von Buntstiften allemal der braven Konturierung von Figuren vorzuziehen ist. Obwohl auf dem Badeschiff in Wien präsentiert, ist Wolf Haas' erstes Bilderbuch mitnichten ein Schlag ins Wasser schon allein deswegen, weil er es ohne den seinen Autorenkollegen aus der Allgemeinliteratur so gerne eigenen Gestus der Liebenswürdigkeit gegenüber einer intendierten Zielgruppe präsentiert.
Kröte des Monats
*STUBE* Heidi Lexe

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Quelle: Unsere Kinder (http://www.unserekinder.at/);
Autor: 2/2011 Lisa Kneidinger;
Dies ist ein Bilderbuch für Kinder und Erwachsene - oder besser umgekehrt? -, geschrieben von einem Autor, den man eher mit Kriminalromanen (die mit dem Brenner ...) in Verbindung bringt: sehr witzig, unerwartet komisch und auf den ersten Blick ein nach allen Regeln der Kinderbuchliteratur eher nicht empfehlenswertes Buch. Trotzdem ist dieses Buch genial.
Die Geschichte handelt von der Gans und dem Fuchs, dessen Fell sich in die falsche Richtung sträubt, ja kringelt. Und zwar, weil er zu schnell gelaufen ist. Betrübt und beschämt betrachtet er nun seine rote Lockenpracht im Teich. Die Gans, prädestiniert für Notfälle, eben die "Gans im Gegenteil", hilft durch paradoxe Ratschläge.
Genauso, wie wir Erwachsene sie von den paradoxen Interventionen aus der Beratung kennen. Diese Ratschläge wirken, wenn auch nur indirekt.
Die Reime des Buchs sind haasmäßig herrlich, die Bilder von Teresa Präauer ebenso und sie illustrieren eine skurrile Geschichte bestens. Es sind die Details und unerwartete Perspektiven, die die BetrachterInnen und LeserInnen gleich welchen Alters zum Lachen und Nachdenken bringen. Denn wer hat beim Blick in den Spiegel angesichts einer missratenen Frisur nicht schon gedacht: "Wie unsympathisch. Diese Schämfrisur macht automatisch eine Problemfigur!"?
Dann braucht es eben eine Gans im Gegenteil

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