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DR
Sei
Was wir einander nicht erzählten : Roman
Seidenauer, Gudrun, 2018| Verfügbar |
Ja (1)
|
| Exemplare gesamt | 1 |
| Exemplare verliehen | 0 |
| Reservierungen | 0Reservieren |
| Medienart | Buch |
| ISBN | 978-3-903184-24-4 |
| Verfasser | Seidenauer, Gudrun
|
| Systematik | DR - Belletristik |
| Verlag | Milena |
| Ort | Wien |
| Jahr | 2018 |
| Umfang | 263 S. |
| Altersbeschränkung | keine |
| Sprache | deutsch |
| Verfasserangabe | Gudrun Seidenauer |
| Annotation | Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); Autor: Martina Mansoor; Freundinnen für immer und ewig? (DR) Als Mella in Maries Stadt zieht, sind die beiden Mädchen erst zwölf Jahre alt. Mella ist anders. Der aufregende Duft von Außergewöhnlichem haftet an ihr. Ihr Vater ist Musiker und Mella war schon als Baby immer mit auf seinen Reisen. Ihre Mutter jedoch ist psychisch krank und ihre Anwesenheit verstörend. Doch Mella weigert sich, ein Opfer zu sein. Sie ist selbstsicher, unerschrocken und so ganz anders als alles, was Marie aus ihrer heilen Welt bisher kannte. Zwischen den beiden Mädchen entwickelt sich eine enge Freundschaft, die bis ins junge Erwachsenenalter halten soll. Ihre Wege trennen sich, und als sie sich zwanzig Jahre später zufällig wiedersehen, schwebt eine Menge unausgesprochener Dinge zwischen ihnen. Seidenauer, zum Zeitpunkt der Verfassung des Romans ungefähr im Alter ihrer Protagonistinnen, erinnert sich ausgezeichnet an die Empfindungen junger Mädchen und vermittelt deren Gefühlswelt genauso gut. Die preisgekrönte Salzburger Autorin erzählt aber auch eine spannende und mitreißende Geschichte. Durch ihre bildhafte Sprache fühlt man sich von ihr an die Schauplätze des Geschehens versetzt. Dabei vermittelt sie gekonnt, wie unterschiedlich die individuelle Wirklichkeit sein kann. Das Buch ist eine empfehlenswerte Wahl, um das Repertoire der deutschsprachigen AutorInnen mit einem heimischen Werk aufzustocken. ---- Quelle: Literatur und Kritik; Autor: Bernhard Sandbichler; »Sag kein Wort, das ruiniert alles.«Gudrun Seidenauers neuer Roman »Was wir einander nicht erzählten« Früher, um 1890, als ?Cechov die von seinem Übersetzer Peter Urban so bezeichneten »drei kleinen Romane« schrieb, waren die Zeiten noch patriarchaler. Damals wie heute schürzte man in derlei Erzählungen gern Knoten, zuvörderst ein Zerwürfnis, das auf einer Verbalinjurie fußte und mit einer Duell-Aufforderung geahndet wurde. Die Ursache für alles? Mangelndes Gesprächsverständnis. »Wir werden einander nicht begreifen. Lassen wir lieber dieses Gespräch«, lässt ?Cechov seinen jungen Mann von achtundzwanzig Jahren im zweiten dieser drei kleinen Romane, der nun eben mit Ein Duell betitelt ist, sagen und am Ende mit einer Schramme davonkommen. Das Duell, erfährt man, ist eine schon damals veraltete Formalität und es stellt sich heraus, dass keiner der Beteiligten je daran teilgenommen hat und daher wüsste, wie das geht. Ungebrochen aktuell dagegen ist das psychologische Moment menschlicher Kommunikation nicht der Dialog, der in ?Cechovs Erzählung omnipräsent ist, sondern Sätze wie: »Wir müssen endlich unsere Beziehung klären«; »Schweigen trat ein« (gleich zweimal); »Worüber denn sprechen? Wenn man nicht alles erzählen kann, gibt es auch nichts zu besprechen.«Damit sind wir dem neuen Roman der Salzburger Autorin Gudrun Seidenauer, es ist ihr vierter, schon ziemlich nahe gekommen. Auch hier stoßen zwei Antagonisten aufeinander, die freilich weiblich sind und seit frühesten Jugendjahren eng miteinander verbunden: beste Freundinnen. Die eine, kleinbürgerlich-provinziell, Marie, hat eine brave Mutter und einen braven Vater, die »keine Matura und keine Ahnung« haben; die andere, großbürgerlich-unkonventionell, Mella und als studierte Erwachsene etwas prätentiös »Amelia«, hat einen Jazz-Bassisten als Vater und eine Schizophrene als Mutter. Sie wissen viel voneinander und Seidenauer erzählt es in Maries Perspektive in rückgeblendeten Kapiteln aus. »Ich dachte, ich kenne dich«, sagt Marie dann »Jahre später«. »Wir haben uns beide getäuscht«, sagt Mella. So ist das nicht, denkt Marie und der kursive Satz buchstabiert ihren Gedanken: »Aber ja, wir kennen uns, weißt du nicht mehr? Wir haben uns nicht getäuscht, wir täuschen uns jetzt!« »Jetzt« heißt mehr als zwei Jahrzehnte später, 2012, wenn man als Leser genau nachrechnet. Beide haben studiert, Mella wird Wissenschaftsjournalistin, Marie Hochschulpsychologin mit Spezialgebiet Täterforschung. Seit neunzehn Jahren haben sie einander nicht mehr gesehen, ein, verglichen mit ?Cechovs impulsiven Duellanten, langwieriger Zeitraum.Begonnen hat der Zersetzungsprozess einer Freundschaft damit, dass ihnen »diese Frau da vorne in ihrem hellen Sarg [] die Worte nimmt und auch die Gewissheit, die sie die letzten acht Jahre geteilt haben: dass sie einander verstehen, mit oder ohne reden.« Mellas Mutter hat sich erhängt: Diese Episode stellt Seidenauer an den Anfang ihres Romans. Kindheit und Jugend mit einem psychisch kranken Elternteil? Ohne psychotherapeutische Intervention? Keine coole Sache! Nichts, so erfährt man in der zweiten Hälfte des Romans aus Mellas Perspektive, stieß diese mehr ab als »die Geducktheit ihrer Freundin, ihr Bemühen, sie in eine Wolke kleiner, banaler Nettigkeiten zu hüllen«. Die Autorin selbst verwehrt sich dagegen zu moralisieren, und mit dieser Objektivität kommt sie durchaus wieder nahe bei ?Cechov zu stehen. »Sie beschimpfen mich«, schreibt dieser seinem Verleger, »wegen meiner Objektivität, die Sie Gleichgültigkeit gegenüber Gut und Böse nennen, Fehlen von Idealen und Ideen usw. Sie wollen, daß ich, wenn ich Pferdediebe darstelle, sage: Pferdediebstahl ist etwas Böses. Aber das ist doch ohnehin längst bekannt, auch ohne mich. Über sie zu Gericht sitzen sollen die Geschworenen, meine Sache ist es zu zeigen, was für Menschen das sind Natürlich wäre es angenehm, die Kunst mit der Predigt zu verbinden, aber mir persönlich fällt das überaus schwer und ist aus Gründen der Technik beinahe unmöglich. Um nämlich auf 700 Zeilen Pferdediebe darzustellen, muß ich die ganze Zeit in ihrem Ton sprechen und denken und fühlen wie sie, würde ich da Subjektives hinzufügen, so würden die Bilder verschwimmen und die Erzählung nicht so kompakt wer-den, wie es sich für alle Erzählungen gehört.« Das Sprechen, Denken und Fühlen aus der Figurenperspektive gelingt Seidenauer ganz in diesem Sinn. Wahrhaftigkeit, ein weiteres Kriterium ?Cechovscher Ästhetik, zeigt sich im überdrehten Getuschel backfischiger Teenager in der Provinz ebenso wie im theorieaffinen Geprahle linker Studenten-WGs in Wien. Und analog zum Duell des 19. Jahrhunderts passiert es in Seidenauers Roman am Ende eines Kongresses zur Täterforschung in Tokyo, bei dem Marie und Mella wieder aufeinander stoßen: »dass sie tatsächlich hier sitzen und reden«. Bei ?Cechov steht am Schluss die Versöhnung und die Erkenntnis: »Niemand kennt die ganze Wahrheit« und hat somit recht. Bei ihrem Lieblingsdichter Robert Creeley findet die Mella des 21. Jahrhunderts Besseres. »Whats gone is gone, why echo it?«, heißt es in seinem Gedicht Consolatio. |
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