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DR
Flo
Klartraum : Roman
Flor, Olga, 2017| Verfügbar |
Ja (1)
|
| Exemplare gesamt | 1 |
| Exemplare verliehen | 0 |
| Reservierungen | 0Reservieren |
| Medienart | Buch |
| ISBN | 978-3-99027-096-7 |
| Verfasser | Flor, Olga
|
| Systematik | DR - Belletristik |
| Verlag | Jung und Jung |
| Ort | Salzburg ; Wien |
| Jahr | 2017 |
| Umfang | 281 S. |
| Altersbeschränkung | keine |
| Sprache | deutsch |
| Verfasserangabe | Olga Flor |
| Annotation | Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); Autor: Katharina Ferner; Über die Lust am Verlust und nicht zuletzt die Liebe. (DR) Die Protagonistin P und der Antagonist A haben eine Affäre. Klingt einfach. Ist es aber nicht. Schon weil sich A gegen den Begriff des Antagonisten auflehnt. Dass zwei verheiratete Protagonisten querlieben, ist kein neues Szenario. Dass es irgenwann zum Bruch und Verlust kommen muss, ist abzusehen. Was aber, wenn sich einer der Partner, in dem Fall P., nicht damit abfinden will? Wenn sie den Schmerz in die Länge zieht, um festzuhalten, stets mit der Hoffnung, dass doch etwas Neues daraus entsteht? Es ist ein steter Abschied, ein beständiges Neudenken, ein stummes Brechen der Konventionen. Geschickt tauscht Persönliches mit Kollektivem Platz. Weltgeschehnisse lassen Alltägliches verblassen, meint man. Aber die Sprache holt immer wieder aus, holt einen zurück in die Glück-Lust-Verlust-Schleife. Die Beziehung wird durchleuchtet, bis auf das kleinste Detail hinterfragt. Kategorien werden aufgelöst und neu erfunden. Die eigene Schwäche, mit dem Verlust umzugehen, wird verleugnet. Das Leiden ausgekostet und mit Erinnerungen ausgeschmückt. Jedes Zusammentreffen der Liebenden ist voll von Begehren. Die kunstvolle Verflechtung von Gedankenspielereien, Gesprächen und Ereignissen bildet ein dichtes Netz, aus dem es kein Entkommen gibt. "Klartraum" steht auf der Shortlist zum Österreichischen Buchpreis 2017. ---- Quelle: Literatur und Kritik; Autor: Karin S. Wozonig; Emotionsprosa einmal anders Olga Flors Roman »Klartraum« Der Plot dieses Romans wäre schnell erzählt: Frau, genannt »P«, und Mann, genannt »A«, verlieben sich, die Beziehung scheitert. Nach langer Zeit begegnen sich P und A wieder, beide sind mittlerweile verheiratet, haben Kinder und führen sehr unterschiedliche Leben. Eine leidenschaftliche Affäre nimmt ihren Anfang, A beendet die Verbindung zum zweiten Mal. Olga Flor rollt diese banale Geschichte von ihrem Ende her auf. Die Protagonistin P beobachtet sich selbst dabei, wie sie die Liebesbeziehung erlebt und unter ihrem Ende leidet. P ist nicht nur Protagonistin, sondern auch Protokollführerin. Ihr Leben wird zum Klartraum, sie versucht »in die Realität gestaltend einzugreifen wie in einen Traum, in dem man plötzlich begreift, dass man träumt«. In kleinen Schritten gehen wir mit ihr zurück an den Anfang der Beziehung, zur ersten Begegnung, zum Zeitpunkt der Wiederaufnahme. Immer wieder tauchen wir in die Details des Moments des Verlassenwerdens ein, verfolgen P dabei, wie sie sich zu lösen versucht, wie sie mit dem schmerzenden Verlust umgeht. P kann die Ereignisse um diese große, unvernünftige Liebe in ihrem Leben schriftlich festhalten, sie findet Wörter sowohl für die auf den ersten Blick unaussprechliche Leidenschaft als auch für den Schmerz, den der Bruch mit dem Geliebten bedeutet, und für die anhaltende Sehnsucht nach ihm. Über die kopflose Liebe wurde selten mit so viel Kopf geschrieben wie in diesem Roman. P denkt in einer Collage aus Persönlichem und Jargon, ihre Situation sieht sie klar, steht aber gleichzeitig vor einem Rätsel. Gleich am Anfang stellt sie sich die Frage, »warum der Nähefaden so plötzlich abreißen kann und die Enden unauffindbar im Alltagsgewebe verschwinden«. Eine ernste, beinahe todernste Sache ist die Liebesbeziehung für P, um sie zu verarbeiten, spielt sie mit der Sprache. P flüchtet mit dieser Affäre nicht aus einer dysfunktionalen Ehe, sondern aus dem normalen, lauwarmen Leben mit Mann und Kind. A, der Geliebte, aber auch Antagonist, war ihre Lebensliebe. Er verlässt P nicht nur, er lässt sie buchstäblich im Regen stehen, wenn auch nur im Berliner Nieselregen, und kehrt zurück zu Frau und Kindern. Die Auswirkungen dieses Abbruchs der außerehelichen Beziehung auf die Psyche der Protagonistin ist mit Präzision und Schärfe nachgezeichnet. Die Zerstörung des Traums, des Phantasmas, wird von P in einer Art laufenden Relativierung des eigenen Leidens mit der Situation der von ihr ehrenamtlich betreuten Flüchtlinge kontrastiert. So schimmert dieses Kapitel der jüngsten Geschichte Deutschlands und Österreichs hinter der Liebesgeschichte durch. Eine Parallelerzählung beschäftigt sich mit dem Alltag der Paketzustellerin G, die Role Playing-Fan ist und vom eigenen Amazon-Fantasy-Roman träumt, dessen grober Plot, verwoben mit der angestrebten Lesesituation (elektronisches Endgerät auf der U-Bahn-Fahrt zur Arbeit), in die Geschichte von A und P eingefügt ist. Dieser Nebenfigur gönnt die Erzählinstanz auch eine sich möglicherweise anbahnende Liebesgeschichte mit einem von G mit einem Lenkdrachen vom Fahrrad gefegten Fahrradkurier. Die Protagonistin P informiert sich, A und die Leserin über ihre Gefühle. Von Anfang an herrscht ein Machtgefälle zwischen P und A, es ist ein Arrangement, das offenbar in sein Manager-Leben, mit dem sie auch ideologische Probleme hat, passen muss. Da wird auch noch ein zur Klärung geführtes Telefonat in eine Autofahrt »gequetscht«. P hat zwar nicht den Anspruch, dass A sich von seiner Frau trennt, und stellt auch sonst keine praktischen Forderungen, aber sein Kommunikationsverhalten entspricht nicht ihren Vorstellungen, das wird schnell deutlich. Die Heimlichkeit und die räumliche Distanz bringen Schwierigkeiten mit sich, die beiden Ehepartner sind nicht auszuklammern, schon gar nicht die Kinder. Und A ist nicht immer schon Antagonist, er ist vor allem der Angesprochene, der oft erst mit langer Verzögerung Antwort gibt. Das ständige Warten auf seine Rückmeldung stellt ein Ungleichgewicht her. Die langen Phasen zwischen den heimlichen Begegnungen führen immer wieder zu einem Fremdwerden, das nicht dauernd als Reiz des Neuen aufrechterhalten werden kann. Das Ende der Affäre kommt für P überraschend. Während sie eine unbedeutende Unstimmigkeit, entstanden durch eine längere Phase der Trennung, vermutet, entschließt er sich, die Beziehung zu beenden. Er ist von der Situation und von ihren kommunikativen Ansprüchen überfordert. Der Roman besteht aus kleinen Kapiteln, die mit wiederkehrenden Leitbegriffen wie »Verlust« und »Glück« übertitelt sind, Episoden, aus denen sich die ganze Geschichte der ersten Begegnung, der Verliebtheit, der Wiederbegegnung und der körperlich hemmungslosen Affäre rekonstruieren lässt. Wobei auch diese Leitbegriffe vieldeutig sind, »Verlust« den Verlust des Geliebten oder Kontrollverlust bedeuten kann und z.B. unter »Glück 7« eine der grundsätzlichen Betrachtungen angestellt wird, die der Protagonistin dabei helfen, ihre Geschichte vor sich selbst und vor A zu argumentieren: »Erst im Nachhinein fragte sie sich, woher sie eigentlich käme, diese platonische Sucht nach einem anderen, einem zweiten Körper, als könnte der einem etwas zurückgeben, was man einmal gehabt haben muss vor dem Einsetzen der Erinnerung: den fehlenden Teil, die Vollständigkeit, Unversehrtheit. Dabei wusste sie es im Grunde besser, in jedem dieser Augenblicke schon, dennoch: ihr Körper, ihr Verstand waren sich einig darin, dass sie wollten.« Besonders das Begehren verlangt nach einer Erklärung, und P versucht sie sich und A zu geben, immer mit dem Hinweis auf das eigentlich Unerklärliche ihrer Gefühle. Da wird ihre Abhängigkeit vom Geliebten schon einmal in einen Zusammenhang mit dem emotional abwesenden, in Ausnahmefällen strafend eingreifenden Vater gebracht. A hingegen erklärt sich für nicht zuständig für Ps Liebe und Intensität. Schachtelsätze, Einschübe und Jargon aus Naturwissenschaft 130d und Wirtschaft verlangen die Aufmerksamkeit der Leserin. Klartraum ist ein Liebesroman, in dem es nicht um die Liebe geht, sondern um die Sprache der Leidenschaft, auch nachdem sie zum Leiden an der Liebe geworden ist. Flor findet für ihre Protagonistin einen Protokollstil, der zwischen vernünftiger Selbsttäuschung und tiefer Verletztheit schwankt. Die Figur, die sich dabei beobachtet, wie sie eine Illusion aufrecht zu erhalten versucht und die ihre Begegnungen rekapituliert, um den Punkt zu finden, an dem diese Zweitbeziehung gescheitert ist, ist klar und vernebelt zugleich, unentschieden und egozentrisch, entschlossen und ganz auf den Mann fixiert, politisch und gesellschaftlich engagiert und zugleich völlig von der Beziehung absorbiert. Das Ende, mit dem der Roman einsetzt und bei dem die Protagonistin am Boden zerstört zurück bleibt, wirkt wie eine Explosion der Geschichte, die von da an nur in Splittern geliefert werden kann, die weiteren zentrifugalen Kräften ausgesetzt zu sein scheinen. Stück für Stück wird klar, dass A sich P entzieht, indem er auf ihre Sehnsuchtsbotschaften und ihre Versuche, Nähe herzustellen, nicht oder verzögert reagiert. Fast könnte man Mitleid mit A bekommen, der die Affäre offenbar weder in sein Ehe- noch in sein Business-Leben integrieren und mit Ps ethischen Ansprüchen an eine gesellschaftlich sinnvolle Tätigkeit nicht mithalten kann. So unterlegen ihm P durch ihre Gefühlsintensität und ihr Begehren zu sein scheint, so weit überflügelt sie ihn rhetorisch und was ihre Mitteilsamkeit anlangt. P reagiert auf ihre beinahe obsessive Zuneigung mit einem Ausloten und Abwägen der Wörter, mit einem Spiel der Sprache, das durchaus ernst ist, manchmal aber auch vor dem Kalauer nicht zurückschreckt, quasi als comic relief. Dass Ps kommunikative Ansprüche A überfordern, wird der Leserin bald klar, nicht aber der Protagonistin. A kommt im ganzen Roman praktisch nicht zu Wort und das entspricht der Figur. Am Ende steht er auch noch als unbeholfener Computernutzer da, der durch seine Ungeschicklichkeit den für P gedachten Abschiedsbrief an die falsche Adresse bringt. Klartraum ist getragen und durchdrungen von zwei einfachen und bekannten Weisheiten: Erstens, dass weder in der Vernunft noch sonst wo ein Kraut gegen Leidenschaft und Liebe gewachsen ist, und zweitens, dass jemand, der für diese Gefühle, oder für Sehnsucht, Schmerz und Enttäuschung eine Sprache hat, nicht davon ausgehen kann, dass sie eine intersubjektiv kommunikative Funktion erfüllt. Olga Flor gelingt es, dieses Phänomen der sprachlichen Einbahn zu einem Roman zu verarbeiten, der weit mehr ist als das Protokoll des üblichen Kommunikationsversagens. Der Gedankenfluss der Protagonistin ist durchsetzt von Anspielungen auf die Literatur, die Wirtschaft und das Tagesgeschehen im Jahr der sogenannten Flüchtlingskrise. Das ernste Spiel mit der Sprache hat an manchen Stellen die Jelineksche Doppel- und Dreifachbödigkeit, die aufhorchen lässt besonders dort, wo die Absurdität der zwei Welten, die durch die sogenannte Flüchtlingswelle in Städten wie Berlin nebeneinander existieren, oder die Diskrepanz zwischen ökonomisch und altruistisch motivierten Verhaltensweisen ihr Thema werden. Olga Flor hat eine Form und eine Sprache für die Geschichte einer unbezwingbaren Leidenschaft gefunden, die ungewöhnlich, unerwartet und überzeugend ist. |
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